Scherbelgruppen und Schnitzelbank

Scherbelgruppen

Vermutlich sind die Scherbelgruppen Nachfolger der „Fasnetspiele“, die schon vor 1870 jedes Jahr und ohne Ausnahme stattgefunden haben. Diese Möhringer Fasnetspiele waren Inder gesamten Umgebung berühmt und wurden unter großen Aufwand und bedeutenden Kosten veranstaltet. IN den Spielen wurde unter anderem die Stadtchronik verkündet und einzelne hervorragende Abschnitte daraus dramatisch behandelt.

„Scherbel“… dieses Wort einwandfrei zu deuten, ist nicht möglich. Möglicherweise hatte in früheren Zeiten das Wort Scherben Nebenbedeutungen, die uns heute nicht mehr bekannt sind. Das schwäbische Wörterbuch von Hermann Fischer führt drei Wortbedeutungen an:

  • Bruchstück
  • irdener Hafen
  • eine übertragenen Sinn (Alte Scherbe = altes Weib)

Scherben, also Bruchstücke verschiedenster Streiche und Ungeschicklichkeiten, zusammengetragen und aneinandergereiht, ergaben ein Ganzes, einen Vortrag, einen Scherbel-Vortrag. „Scherbel“ entspräche somit den Bezeichnungen strählen, schnurren, aufsagen, also in unserem Möhringer Falle: aufsingen, gesanglich und musikalisch vortragen.

Die Scherbelgruppen sind entsprechend ihrer Vorträge kostümiert, und diese Vorträge behandeln Vorkommnisse des Jahres sowie hin und wieder politische Heldentaten. Der Ursprung der gesanglich und musikalischen Vorträge dieser Scherbelgruppen wird auf den Möhringer Schneidermeister Gleichauf, genannt „der Viktoria-Vogel“, zurückgeführt. Dieser urwüchsige Möhringer Handwerksmeister aus dem vergangenen Jahrhundert (1852-1912) soll, wenn es sich um fasnetliche Dinge handelte, für jedermann zur Verfügung gestanden haben. Unzählige Verse für „seine“ Scherbelgruppen sind in seiner Schneiderwerkstätte im alten Spitel (Spital) entstanden.

 

Schnitzelbank

Neben den Scherbelgruppen treten auch Schnitzelbanken auf. Sie sind altbekannte Fasneterscheinungen. Vorträge dieser Art sind nicht allgemeinen Inhalts, sondern besingen peinliche und unliebsame Vorfälle und Schildbürgerstreiche, welche sich das Jahr über ereignet haben.

In den frühen Jahren oft in scharfer, beleidigender Form, werden sie heute in solider und witziger Art vorgetragen.

Schon zur Zeit von Napoleons Zug mit der großen Armee (ein Drittel davon waren Deutsche) nach Russland gab es Schnitzelbanken. Es wird berichtet, dass während des vernichtenden Rückzugs ausgemergelte und mutlose Söldner in einem russischen Bauernhause Unterschlupf suchten, um sich vor der Kälte zu schützen. Unter ihnen war auch ein Soldat aus dem Schwarzwald. Sein Humor war noch nicht gebrochen, und so ritzt er mit einem Stück Holz in die Erde der Bauernstube eine Schnitzelbank, er besang die Bilder und bald stimmten seine Kameraden in den Refrain ein. Strapazen und Müdigkeit waren, wenn auch nur vorübergehend, bald vergessen.